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Lyrik

Aus der neuen Verkehrsordnung des freien Finanzprotektorats Frankfurt am Main, §7 Abs. 3b

Neuerdings kurven die Weltenlenker,
Frankfurts Helden und Großmachtsbanker
In Hemd, Schlips, kurz: In Rennmontur
Durch die idyllische Großstadtflur.

(…)

Neuerdings kurven die Weltenlenker,
Frankfurts Helden und Großmachtsbanker
In Hemd, Schlips, kurz: In Rennmontur
Durch die idyllische Großstadtflur.

Und wie sie flitzen.
Ohne zu schwitzen.
Doch das taten sie nie.

Und was sie, diese müden Leiber
Einst zu Fuße schafften, und ja, gemeint sind auch die Weiber,
Das düsen sie nun elektrisch herum
Zwischen Bankenviertel, ihren Villen und dem Stadtzentrum.

Und wie sie flitzen.
Ohne zu zu schwitzen.
Doch das taten sie ja nie.

Neben dem alten Verbrennungsmotorgeboller
Wird die Radspur rechts nun immer voller.

All diese Elektrotretmietroller!

Und schon bald wird man hören die ersten Stimmen
Aus den Doppelkinnbankerkehlen dringen:
– Das Gesindel auf der Straße, links das, vom Land,
Das sei aus der City bald schon verbannt. –

Aber, sie sollen sich bloß hüten.
Die Frankfurter Straßen,
Das Pflaster, der Teer, und der Asphalt
Und auch der Beton, eigentlich alles:
Jaja, das ist Bruch und Dalles.
Der Ramsch ist uralt
Über alle Maßen,
Da können sie gerne wüten

Und flitzen mit ihren Rollern,
Und von mir aus auch bollern.

Nun aber, leise, noch unter uns gesprochen:

Käme es nicht der Satisfaktion zuliebe
Ein flitzendes Bankerlein, das bliebe
An einem verfallenen Bordstein stecken
Geriete in die Fahrbahnranddornenhecken?

Wäre das nicht jammerschade und schlimm?
Na sicher!
Doch für uns, das Gesindel, ein Aktiengewinn.