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Corona

Die Kunst im Schlechten das Gute zu sehen

Die nachfolgenden Passagen seien all denen gewidmet, die sich sorgen dieser Tage.

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Die nachfolgenden Passagen seien all denen gewidmet, die sich sorgen dieser Tage. Sorgen, um das eigene Wohl, und natürlich das ihrer Liebsten, aber auch um die Zukunft der freien Welt, wie wir sie kennen. Euch allen Sorgenvollen möchte ich sagen, dass das Gute, wie auch das Schlechte oft nicht allzu weit auseinander liegen, und, seid euch versichert, so manches mal lässt sich selbst im Schlechten noch das Gute erkennen.

Was, ihr glaubt mir nicht? So, so. Dann hört her!

Denn in diesem Sinne möchte ich euch aufmerksam machen. Aufmerksam auf eine mittlerweile doch recht lange Liste betagter Autokraten und Populisten, von denen unsere Welt im Guten wie im Schlechten gelenkt und regiert wird. Anbetracht der hohen Mortalitätsraten von Covid-19 für das gehobene Alter, und, für den Fall einer globalen Durchseuchung, wie sie von einigen jener Herren mehr oder weniger aktiv vorangetrieben wird, wäre es sicherlich interessant – und darüberhinaus äußerst unterhaltsam – eine kleine Untersuchung zu deren eigenen Überlebensaussichten einer SARS-CoV-2-Infektion anzustellen.

Wie? So etwas gehört sich nicht? Jaja, meine Lieben, da in unseren aufgeklärten und wundervollen westlichen Gesellschaften mittlerweile ernsthaft darüber diskutiert wird ein paar Hunderttausend oder mehr unter die Erde zu bringen respektive an die Luft zu blasen, und das nur, um ein ohnehin marodes Wirtschaftssystem zu konservieren, so denke ich, sollte die ganze Sache moralisch einigermaßen vertretbar sein.

Und wie es der glückliche Zufall nun einmal will, so hat sich ein mir befreundeter und überaus fähiger Arzt längst dazu bereiterklärt, die entsprechenden Anamneseberichte zu verfassen. Verlieren wir also keine weitere wie wertvolle Zeit und widmen uns der hohen Kunst noch im Schlechten das Gute zu sehen.

Beginnen wir bei Patient Zero, bei:

Boris Johnson,

der Clown, 55 Jahre alt:

Sollte seinen Brexit nicht mit dem Lexit, dem Exit from Life, verwechseln. Verfolgte anfangs eine Strategie der Herdenimmunität. Konnte schließlich nicht ahnen, je selbst Teil dieser Herde sein zu müssen. Woher auch? Niemand weiß, wie viel heiße Luft ihm noch bleibt, für seinen trockenen und very British humour. Auf trockenen Husten jedoch darf er sich bereits schon die kommenden Tage einstellen. Es bleibt also spannend.

Überlebensaussichten:

Miese Haltung im sprichwörtlichen wie doppelten Sinne, aber ein noch viel mieseres Gesundheitswesen im Rücken. Vielleicht erklärt letzteres ja ersteres? Außerdem etwas dicklich, doch zumindest ein geübter Redner.

Summa summarum

so vital wie der Zusammenhalt im Vereinigten Königreich

Donald Trump,

der Maurer, 73 Jahre alt:

Zöge lieber jetzt als gleich eine Brandmauer Richtung Europa hoch. Mein Namensvorschlag: Atlantikwall. Tut ansonsten nicht viel, die üblichen Tiraden eben. Während das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder einmal im Chaos zu versinken droht, sorgt er sich bloß um seine Wiederwahl. Da macht selbst noch der texanische Vizegouverneur mit dem Vorschlag, einfach alle alten und kranken Amerikaner zum Wohle der Wirtschaft zu opfern, eine bessere Figur.

Überlebensaussichten:

Schon wirklich sehr alt, fast der Älteste hier, aber Privärzte sorgen für eine immerstete und glänzende Gesundheit, körperlich versteht sich, nicht geistig. Zumindest behaupten sie das. Ansonsten allzeit bereit für ein breites Grinsen im Orangengesicht.

Summa summarum

bald schon röchelnd an der Air Force Two hängend

Wladimir Putin,

der Pneumatische, 67 Jahre alt:

Lässt Land und Leute, ja selbst sein eigens verfasstes Verfassungsreferendum auf Monate hin beurlauben, wenn ihm nur danach ist. Während Laschet den Mundschutz nicht über die Nase bekommt (heißt ja schließlich auch Mund- und nicht Nasenschutz) gibt Putin noch in voller ABC-Montur seinen alten Haudegen ab. Propaganda kann er eben. Niemand in Russland weiß, wem oder was ihr Staatspräsident dereinst erliegen mag; um Covid-19 jedenfalls wird es sich dabei nicht handeln. Ganz sicher. Denn in Russland gibt es keine Coronatoten. Offiziell versteht sich. Dafür jedoch eine beunruhigende Häufung tödlich verlaufender Lungenentzündungen.

Überlebensaussichten:

Er ritt durch die russiche Steppe und fischte in russischen Seen. Er sammelte Körbe voll russischer Pilze und bestieg die schroffsten russischen Berge. Und ja, er rang mit dem wilden russischen Bären; und bald auch schon mit dem russischen Ableger des Coronavirus? <hack>Virus? Welches Virus? Hier in Russland kennen wir kein Virus!

Summa summarum

der ewige Fels in der russischen Brandung</hack>

Matteo Salvini,

der Erlöser, 47 Jahre alt:

Abseits eines überaus schlechten Übersetzungsfehlerwitzes verkneifen wir uns an dieser Stelle jeglichen Unsinn über Italien, und es gäbe viel zu spotten, doch nach wie vor gilt: Te mortui ne nihil bene.

Überlebensaussichten:

Nicht der Klügste, aber vergleichsweise dumm, äh, jung.

Summa summarum

der mit Abstand Jüngste hier, wird es schon irgendwie schaffen

Jair Bolsonaro,

der Athlet, 65 Jahre jung:

Der Inbegriff des modernen Mannes. Klug, schön, charmant, und immer für einen Spaß zu haben. Aber Spaß beiseite. Im rechten Spektrum dieser Welt muss er der Dümmste der Dummen sein, anders kann man sich diesen brasilianischen Herrenmenschen einfach nicht erklären. Bringt mit seinen absolut sinn- wie nutzlosen Aussagen und Anweisungen eine ganze Nation gegen sich auf. Sollte dieser Mann seine mutmaßliche Infektion überleben, so bricht man ihm später wohl nicht nur das poltitisches Genick.

Überlebensaussichten:

Topfit, war ja schließlich mal Athlet…, und wohl auch als ausgeschwärzter Name auf einer Infiziertenliste der Regierung. Beste Aussichten also, und falls es doch einmal eng werden sollte, wird das Virus eben brandgerodet.

Summa summarum

ob infiziert oder nicht, schon mit einem Bein im Grab

Viktor Orbán,

das Se- nein, Dekret, 56 Jahre alt:

Dicker Fascho und Möchtegernhitler aus Ungarn. Regiert jetzt angeblich per Dekret, was nicht mal mehr die strammen EVPler aus dem Europaparlament gutheißen können. Wird sich innerhalb der nächsten Monate wohl zum ersten Diktator in der EU aufschwingen. Wo bitteschön ist das Virus, wenn man es braucht?

Überlebensaussichten:

Äußerlich wie innerlich vom Schlage eines Hermann Göring. Spätestens nach der Corona-Pandemie wird man ihm entweder in Nürnberg, in Budapest, oder in Brüssel den Prozess machen.

Summa summarum

einer der ganz wenigen, denen man es von Herzen wünschte

Alexander Lukaschenko,

der wirklich letzte Diktator Europas, 65 Jahre alt:

Lustiger Stalinverschnitt, werktags Diktator, aber an Sonn- und Feiertagen ein begnadeter Eishokeyspieler. Gibt sich im Fernsehinterview leidenschaftlich pathetisch: „Es ist besser stehend zu sterben, als auf den Knien kriechend zu leben.“ Scheint sich dabei selbst durchaus ernst zu nehmen und ermutigt sein Volk, das Virus im Stadion, der Kneipe oder dem Club mit Vodka zu vergiften. Aber nicht während der Arbeit! Alternativ gehe man in die Trockensauna, wo das Virus ab etwa 60 Grad das Zeitliche segnet. Zumindest behaupten das die Chinesen. Auf dem belarussischen Lande hingegen wird der Traktor alle heilen, das Feld wird alle heilen. Und nein, das alles habe ich mir nicht bloß ausgedacht. Kompetent, nicht?

Überlebensaussichten:

Poetisch sprach Goethe am Sterbebett: Mehr Licht. Vielleicht aber auch in gutem frankfurter Hessisch: Man liegt. Lukaschenkos letzte Worte wiederum werden gelautet haben: „Hier ist kein Virus. Sollen sie hier rumfliegen? Ich sehe sie nicht.“

Summa summarum

sollte wirklich besser auf sich aufpassen, sonst läuft ihm ein dicker Magyar noch Rang und Namen ab

Recep Tayyip Erdoğan,

der Irre vom Bosporus, 66 Jahre alt:

Plant nun allen Ernstes, das Virus im Geld zu ersticken. Hat sein Volk deshalb zu einer breit angelegten Spendenoffensive aufgerufen, die jedoch nicht mit einer der vielen Offensiven seiner verbecherischen Angriffskriege verwechselt werden darf. Vom seriösen Journalisten bis hin zum letzten Ziegenficker zeigt er dabei weiterhin alles und jeden, was seinen Namen auch nur windschief auszusprechen wagt, wegen Präsidentenbeleidigung an. Allah’a şükür, dass § 103 StGB zur Majestätsbeleidigung abgeschafft wurde, sonst müsste ich mich bald noch vor Gericht verantworten, und das mitten in der Krise!

Überlebensaussichten:

Heckt in einem seiner vielen Palasthinterzimmer vermutlich wieder irgendein doppeltes Spiel aus, Viren sind schließlich auch nur kleine Putschisten. Hat im Notfall aber immer noch die Judikative im Rücken, und wenn alles scheitert, dann werden die Viren an die griechische Grenze verfrachtet.

Summa summarum

verzichte im Namen des religiösen Friedens auf jedwedes weitere Urteil

Baschar al-Assad,

der Chemiker, 54 Jahre alt:

Wird bald schon behaupten, doch immer nur nach einem wirksamen Kampfstoff gegen das Virus gesucht zu haben. Bis auf Verstöße gegen internationale Verträge zur Herstellung, Lagerung und Proliferation chemischer Waffen, Verletzungen der Menschenrechte, sowie unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit konnten ihm und seinem Sarin (SARS-Insulator) jedoch keinerlei antivirale Eigenschaften nachgewiesen werden. Ob seine neueste Entdeckung, ein bisher unbekanntes Aminosäurederivat, das Putin, echte Abhilfe schaffen kann, bleibt dabei mehr als fraglich.

Überlebensaussichten:

Sollte sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen. Wenn sein Putin später nicht anschlägt, bleibt ihm vielleicht nur die gefürchtete Sarin-Therapie.

Summa summarum

ganz andere Sorgen als eine kleine Grippe, falls die Chemie irgendwann einmal nicht mehr stimmen sollte

Xi Jinping,

das Virus höchstselbst, 66 Jahre alt:

Muss an vielfach mutierter Persönlichkeit leiden. Einerseits durchgreifender Aktionist, der in kürzester Zeit eine ganze Millionenmetropole abriegeln lässt, andererseits aber ein dreister Lügner und Fälscher, der den lokalen Seuchenausbruch zunächst verheimlichte, dann herunterspielte, und nun auch noch die Infiziertenstatistiken frisieren lässt. Darüber ein Zensor, wie er im Buche stünde, wenn dergleichen in China denn erlaubt wären. Unterbindet dabei jedwede Aufklärungsarbeit zur vernichtenden Frage, ob der Auftritt des neuartigen Coronavirenstamms nicht in irgendeiner Beziehung zu den Pannenexperimenten im streng geheimen Fledermausvirenlabor gleich neben dem berühmten Wuhaner Tiermarkt stehen könnte. Nebenbei verschickt er noch gutmütig Hilfe in alle Welt, von der er als Retter vor Leid, Tod und Verderben gefeiert wird. Großherzigkeit kennt eben keine Grenzen. Größenwahn allerdings auch nicht. Vielleicht aber nagt auch nur das schlechte Gewissen?

Überlebensaussichten:

Zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber sonst noch bei guter Gesundheit und quietschfidel; außerdem ist das Virus in China ja bereits erfolgreich eingedämmt worden, jedwede abweichende Meinung hingegen zensiert.

Summa summarum

geht viraler als das Virus selbst

Alexander Gauland,

der Urkeim, 79 Jahre alt:

Musste schon während der ersten großen Pestepidemie mit ansehen, wie seine vergreisten Urenkel vom Schwarzen Tod dahingerafft wurden, und verspürt seitdem eine tiefe Abneigung gegen alles dunkelhäutige Fremde aus nicht-deutschem Lande. Vor Papst, Gott und Vaterland schwor er seine tausendjährige Rache; Yersinia Pestis wiederum erklärte er den totalen Krieg: „Wir werden sie jagen.“ In seinem Kopf tobt dieser wohl noch heute.

Überlebensaussichten:

Zäh, so wie Leder, und gewiss auch genauso hart, wie guter deutscher Kruppstahl es nur sein kann; überdauert ganz gewiss auch diesen Vogelschiss der Geschichte.

Summa summarum

unverwüstlich seit 1347 AD