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Aphorismen

Literatur und Lyrik

Aphorismen aus dem Umfeld von Literatur und Lyrik.

Lyrik, das ist die Poesie des Geistes, und diese der Widerklang der Seele.

Das Elend mit der Poesie ist es, dass man die richtigen Worte erst dann findet, wenn es schon lange zu spät ist.

Ein passabler Schriftsteller, der schreibt für seine Leser. Ein guter Schriftsteller wiederum, der schreibt für seine Frauen. Ein meisterlicher Schriftsteller aber, der schreibt bloß noch für sich selbst.

Das Problem des Dichters ist folgendes: In den Köpfen der Menschen ist er derjenige, von dem die Frauen schwärmen, im Leben hingegen der, mit dem sie partout nichts mehr zu tun haben wollen.

Manch wohl einer schrieb, um seinen Frauen zu schmeicheln. Ich hingegen schreibe, um nicht mehr mit ihnen reden zu müssen.

Niemand schreibt, um das Herz einer Frau für sich zu gewinnen. Vielmehr schreibt man, um es nicht gleich schon wieder zu verlieren!

Das, was die Literaturkritik mit dem Skalpell eiskalter Analyse zu sezieren pflegt, ist ursprünglich einmal der Feder herzwarmer Gefühle entsprungen.

Wer schreibt, der sollte erstens, etwas zu sagen haben, und zweitens, auch irgendeine Form menschlichen Gefühls in sich tragen, das nicht bloß um seiner selbst willen besteht. Es bleibt daher fraglich, ob in diesem Land überhaupt noch jemand etwas sinnvolles zu sagen hat, geschweige denn zu Papier bringt.

Eigentlich nie wird der wichtigen Frage nachgegangen, ob dieses oder jenes Gedicht nun geschrieben worden ist, um mündlich ausgesprochen, oder aber nicht doch viel eher, um geistig gedacht zu werden.

Wer nirgends je dazugehört, dem wird zumindest die eine Gnade zuteil, weit über den Dingen zu stehen. Und wer dann noch schreiben kann, der wird zum Schriftsteller.

Einem Naturforscher gleich schlägt sich der Dichter durch den dichten Dschungel der Sprache, und hinter jedem Gehölz, da tut sich eine neue Welt auf, die es zu entdecken gilt.

Beginnt man als Deutscher still und heimlich damit, sein literarisches Werk online zu veröffentlichen, so fühlt man sich emotional hin- und hergerissen, zwischen dem stupiden Wahnsinn, sagen wir, etwa, eines Hanauer Rechtsterrorsisten auf der einen, als auch der geistigen Genialität eines Goethe auf der anderen Seite.

Sollte ich jemals eine fiktive Nachricht an alle meine nicht-existenten Leser verfassen wollen, so riete ich ihnen nur eines, nämlich darauf zu hoffen, dass niemals eine liebesfähige Frau in mein Leben treten wird, da es ansonsten sehr schnell vorbei sein könnte mit meiner großen Weltliteratur. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass es auch genau andersherum kommen könnte.

Die Digitalisierung macht es dem Schriftsteller mitunter einfach: Ist man sich einer Sache, an der man arbeitet, nicht sicher, so wirft man einen Blick auf seinen neuesten Instagram-, oder ganz allgemein Social Media-Feed, und sofort wird man wieder daran erinnert, das alles, aber auch wirklich alles, das man nur schreiben könnte, pures Gold wert ist.