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Aphorismen

Leben und Liebe

Aphorismen aus dem Umfeld von Leben und Liebe.

Derjenige, der aufrechten Hauptes durchs Leben geht, hat es nicht nötig zu den wenigen über ihm hinaufzuschauen. Wichtiger aber noch, so hat er es nicht nötig auf die vielen unter ihm herabzublicken. Niemals jedoch hat er es nötig, auf sich selbst hinaufzuschauen oder herabzublicken.

Der härteste Gang im Leben eines Mannes ist derjenige zu der Frau, die er liebt, denn mit weichen Beinen läuft es sich sehr schlecht.

Als Wegweiser des Glücks liegt auch in der hoffnungslosesten Bestrebung der schmale Grad hin zur Befreiung verborgen.

Wer den Schneid besitzt, sich in der Liebe zum Idioten zu machen, dem gehört die Welt, denn in dieser kann er ganz und gar derjenige sein, der er sein möchte. Wie Nietzsche einwandt, so hilft es gegen die dabei unabwendbar einsetzende Nebenwirkung der Selbstverachtung am sichersten, von einer klugen Frau geliebt zu werden.

Einer jener sinnbefreiten Volksaphorismen geht in etwa folgendermaßen: Wer meint, schon etwas geworden zu sein, hat bereits aufgehört etwas zu werden. Aber ich sage nun: Um etwas zu werden, sollte man erst einmal sein.

Angesichts des nahenden Winters, was noch ist herzerwärmender als ein goldener Tag im Herbst, der als frischer und munterer Frühlingstag verkleidet daherkommt?

Eine Frau, die sich noch von Herzen über das Geschenk einer Blume freuen kann, offenbart damit die zwei wesentlichen Charakterzüge für den Erfolg einer guten und langen Beziehung: Kurzweilige Freude an der Form, aber echte Liebe zum Symbol.

Wer nur noch nach oben, aber kaum mehr nach unten schaut, der vergisst leicht in welch schwindelerregenden Lebenshöhen er sich eigentlich befindet, und wie tief der Sturz aus diesen sein kann.

Das Symbol hinter den Dingen stellt das Undarstellbare des menschliches Geistes zur Schau, denn es lässt uns ahnen und fühlen. Wer das nicht begreift, der wird sich nie an der Kunst erfreuen können; ganz gleichgültig, ob es sich dabei um ein hastig bemaltes Osterei, oder aber um eines der großen Meisterwerke handelt.

Freilich darf sich nur derjenige ein Liberaler schimpfen, der auch ein leidenschaftlicher Verfechter des Grundeinkommens ist; denn erst am Ende der Lohnarbeit steht ein Anfang auf individuelle Freiheit.

Ein Traum in Aussicht auf Erfüllung ist es schlicht nicht wert geträumt zu werden.

In dunklen Zeiten ist es vielleicht klüger dem Glück ganz zu entsagen, verbleibt denn vom leichten Hauch des flüchtigen Glücks meist doch nur der schwere Dunst von Depression.

Und daher behaupte ich, mein Leben ist ein Traum. Nicht etwa, weil es so glückselig oder schön wäre, nein nein, wohl aber, weil mir all das Schöne darin bloß und nur mehr in meinem Kopfe widerfährt!

Wer nur tief genug sinkt, der wird auch irgendwann einmal zum Diamanten.

Jemand, der in Gesellschaft ernsthaft behauptet, dass es niemals Sinn machen kann, sich alleine zu betrinken, war entweder noch nie wirklich alleine, oder aber versucht genau das zu verheimlichen.

Peinlich ist nicht der Sturz. Peinlich ist es nur, im Dreck liegen zu bleiben. Und zwar vor sich selbst.

Luxus, ein Substitut für Liebe.

Sehnsucht, das ist die Differenz der Träume, die man hat, mit dem Leben, das man führt.

Körperlichkeit ohne Gefühle ist genauso geistlos wie alkoholfreies Bier, und wer später noch nach Hause fahren muss, der greift widerwillig zu, oder aber verdurstet alleine.

In der Einsamkeit liegt die Erinnerung, und in dieser jene.

Das gesetzte Ziel, das Fixe und Weite, ist etwas für Verlierer. Aber ein Ziel vor Augen haben, das ist der halbe Weg zum Glück.

Ein Herz, das nicht mehr schlägt und nur noch pumpt, ist ein totes Herz.

Beim Reisen beschleicht mich nicht selten das Gefühl, als Person im Grunde unerwünscht zu sein, und deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, weshalb Frauen so gerne verreisen. Aber ich vermute schon seit längerem, dass die Lust einer Frau – selbstverständlich die am Reisen – in irgendeinem Zusammenhang zu deren individuellem Brust- oder Hüftumfang einerseits, sowie demjenigen ihres Schminkkoffers andererseits stehen muss.

Oft wird behaupet, die universelle Sprache der Natur sei mit der Mathematik gegeben, aber eigentlich liegt sie in der Sexualität begründet.

Für den Einzelnen waren die Zeiten der Vergangenheit fast immer gute Zeiten; denn es lag die individuelle Zukunft noch vor, nicht hinter einem.

Um zu erhalten das Konzentrat der Liebe, man dampfe ein sein Herz auf die wenigen Lebenstage, die wirklich wichtig waren.

Während man auf dem Lande die unendliche Einsamkeit erdulden muss, so wird man in den Großstädten von der anonymen, unzufriedenen und immer weiter anschwellenden Masse beinahe zerquetscht; und sehnsüchtig blickt man dabei auf die quälende Agonie der einstigen Kleinstädte, wie sie im Todeskampf da liegen, aufgegeben und ihrer selbst überlassen, voll nur noch von deren Selbstzweifel und dergleichen Verachtung.

Jede Norm raubt der Welt auch immer wieder ein Stück ihrer Vielfalt; und verrückt den Zauber des Reisens in die Fremde dadurch stets ein solches weiter in Richtung gelebten Alltag.

Auf jeden Erfolgreichen kommen mitunter hunderte von Erfolglosen, deren Träume an der erfolgsverwöhnten Arroganz der ersteren zerschellen.

Nur die Liebe schafft es noch aus der größten Banalität das Göttliche hervorzuzaubern; und dem Göttlichen schenkt man zur allzu gerne seinen Glauben.

Sollte meiner Person zu Ehren einmal eine Biographie verfasst werden, so sei zu meiner Frankfurter Zeit geschrieben: Zerrissen zwischen Hass und Liebe, dem Finanzadel und vielen Bankerspack zum einen, und all den antiken Göttinnen und Nymphen zum anderen. Nachtrag: Man streiche die Liebe.

Tagtäglich lässt sich in Frankfurt bewundern, welch Ungemach die ungezügelte Migration der letzten Jahrzehnte uns, den letzten der ethnischen Volksdeutschen, beschert hat: Exotische Schönheiten an jeder Ecke, besten Alters, so weit das Auge reicht, und eine jede von ihnen bezaubernder als die andere.

Oft ist der hämische Spott bloß die gesteigerte Form des Neids; und die damit wohl denkbar größte Anerkennung dessen, was man voller Selbstzweifel tut.

Ist die Liebe nicht schon bereits da, so muss eine jede Blume, ein jedes Gedicht, und überhaupt eine jedwede Geste der Zuneigung als nichts anderes denn eine unendliche Peinlichkeit aufgefasst werden.

Karrieristen sind die wohl seelenlosesten Geisterwesen, die auf diesem Planeten wandeln, absolut nutzlose und an sich leere Hüllen, angefüllt nur mit Geld, Gold, und Geschmeide.

Was die alte Karrieristengeneration in ihrem Neid nicht verstehen kann ist die anmaßende Tatsache, dass es im modernen Leben um den tatsächlichen Ausgleich zwischen Arbeit und Geld einerseits, und einem lebenswerten Dasein im individuellen Glück andererseits geht.

Nicht in ihren kühnsten Fantasien könnten sich die Dummen ausmalen, was sie von der Welt alles nicht wissen, und auch niemals wissen werden; aber das, was im Unwissen verborgen liegt, und wovon im Gegensatz zum Klugen nur der Dumme etwas weiß, ist das Gefühl von Geborgenheit.

Des Tags macht nur das Licht das Elend erträglich, und ihm gleich tun es die Träume mit der Dunkelheit des Nachts.