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Aphorismen

Gesellschaft und Glaube

Aphorismen aus dem Umfeld von Gesellschaft und Glaube.

Im Paradies muss es sehr einsam sein. Es ist der Kontrapunkt alles Menschlichem. Wer es erschaffen möchte, der muss sich der Menschen selbst entledigen. Neuerdings nennt sich dieses Bestreben Digitalisierung. Sie verspricht die Lösung aller großen zivilisatorischen Probleme. Wie zuvor schon die Industrialisierung, so wird sie ihre utopische Versprechung einer grundsätzlich besseren Welt aber niemals einlösen können. Schuld an dieser Misere tragen wiederum die Menschen.

Si vis pacem exstingue album visificum: Wer Frieden will, der muss den Bildschirm ausschalten.

Einst befreiten Liberale die leibeigenen Knechte von ihren Herren, zusammen mit den Nationalisten und Faschisten befreiten sich diese einstigen Knechte sodann von sich selbst, und im Osten wurden die verbleibenden Knechte schließlich von den Kommunisten zu den neuen Herren gemacht. Aber was bescherten die Demokraten den verbleibenden Knechten im Westen? Nichts, denn sie kannten keine Knechte.

Wer einmal in die unpäßliche Lage gerät, seine Ideale über Bord werfen zu müssen, der sollte sie vorher wenigstens gewissenhaft vertauen, damit er später einmal in der Lage sein wird, sie aus den Untiefen des Lebens wieder emporziehen zu können.

Das Problem der Menschheit liegt nicht darin begründet, dass die Menschen unfähig wären aus ihren Fehlern zu lernen, wohl aber in ihrer natürlich veranlagten Sterblichkeit.

Bewerbungen, Dating sowie Wohnungssuche im Internet sind nicht zu verwechseln mit dem Führen von Selbstgesprächen, ist denn bei letzteren immer noch mit einer gut gemeinten Antwort zu rechnen.

Die Krise der westlichen Demokratien liegt nicht im Versagen des Liberalismus selbst begründet, sondern vielmehr im staatlich tolerierten Gewaltkapitalismus, denn auch in der postindustriellen Zeit gilt nach wie vor, nein, mehr denn als je zuvor die dostojewskische Devise: Geld ist geprägte Freiheit. Wird es den einfachen Leuten entzogen, so zwar nicht auch deren rechtsstaatliche Garantie auf individuelle Freiheitsrechte, wohl aber die Möglichkeit auf eine reale Entfaltung dieser. Freiheit ohne eine Möglichkeit der Wahl nämlich muss zur reinen Farce verkommen. Vollzieht sich dieser Entzug nun innerhalb der Sphäre grundlegender Lebensbedürfnisse, etwa der Lebensmittel- und Frischwasserversorgung, des Wohnens, des Transports, sowie der Arbeit, und infolgedessen auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Teilhabe im Sinne von Anerkennung, Akzeptanz, Geselligkeit, Freundschaft und ja, auch Liebe, so wird der einzelne schließlich keinen persönlichen Mehrwert mehr im liberal-demokratischen System erkennen können und sich alternativen, meist illiberalen Formen der gesellschaftlichen Organisation zuwenden; nach dem endgültigen Scheitern des Kommunismus und des Sozialismus also wieder einmal denen des Populismus und des Faschismus.

Überzeugt von sich selbst sind immer alle; mit Ausnahme all jener, die es sein könnten.

Demonstrationen sind die Revolution der Bourgeoisie.

Offen ausgelebter Neid trägt zumindest noch die Botschaft der Ehrlichkeit in sich. Schlimmer als Neider aber sind solche Leute, die einem unter dem Vorwand der vorgeschobenen Höflichkeit nur allzu gerne in den Rücken fielen. Und das nur, weil sie insgeheim Angst davor haben, als dass sie selbst zu kurz kommen könnten.

Im bildergefluteten 21. Jahrhundert täte es den Menschen gut endlich wieder zu begreifen, dass es bei den Dingen in der Welt einzig und allein um deren symbolische Bedeutung, niemals aber um ihre formale oder substanzielle Ausgestaltung gehen kann.

Der seelische Zustand einer Gesellschaft offenbart sich nirgendwo besser als auf den einschlägigen Datingportalen im Internet; für die deutsche Volksseele gäbe es dabei viel Schlechtes zu berichten.

Ein Patentrezept an alle, die den Krieg herbeisehnen: Am Vorabend des Gemetzels zerstöre man die Seele der Menschen. Für die Zerstörung von Leib und Leben sorgen diese dann schon selbst.

Je vielfältiger die Möglichkeiten der Kommunikation, desto einfältiger die Fähigkeiten zur Konsensfindung.

Der Funke der Revolution entzündet sich zumeist an den Folgen einer banalen Ungerechtigkeit, die das berühmte Fass erst zum überlaufen, und dann zur Explosion bringen.

Abzuwarten bleibt, ob der Kippunkt des Weltklimas vor dem der westlichen Gesellschaften erreicht sein wird. Wer aber jetzt schon eine panische Angst vor ersterem entwickelt, der sollte die politischen und sozialen Verwerfungen, die letzterer anstoßen wird, mehr als fürchten.

Sodann wird es endlich Zeit für die soziale Gleichstellung von Mann und Frau. Denn glatter noch als jeder Karrierist ist nur die Karrieristin.

Die intellektuelle Elite braucht sich wahrlich nicht zu wundern, wenn am rechten Rand der Gesellschaft das alte Deutschtum aufs neue heraufbeschworen wird; denn abgesehen vom Nationalsozialismus war in der Geschichte dieses Landes wohl so ziemlich alles glanzvoller, als was es derzeit zu bieten hat.

Irgendwann einmal im Leben gelangt man schließlich an den einen Punkt, an dem man zufrieden auf das Erreichte zurück und frohen Mutes nach vorne in die Zukunft blickt, oder aber endlich zu begreifen beginnt, unter welchen sozialen Umständen aus einem erfolglosen Postkartenmaler der größte Verbrecher der Weltgeschichte werden konnte.

Wenn ich das Trugbild des modernen Deutschlands, welches ich dereinst in der Schule vermittelt bekommen habe, mit dem, was ich in diesem Land bisher erleben durfte, einmal vergleiche, so frage ich mich ernsthaft, in welch widerwärtiges, abstoßendes und unmenschliches Land ich eigentlich hineingeboren worden bin.

Im Grunde hat der Sozialismus all das erreicht, wofür er ursprünglich einmal erdacht worden ist. Waren an seinem Ende zwar nicht alle gleich reich, so aber doch fast alle gleich arm.

In Frankreich herrscht wieder einmal vorrevolutionäre Stimmung. Für die Staatsgewalt eines Ancien Regime, das Demonstranten und Passanten verkrüppelt, deren Hände, Augen und Schädel mit Geschossen zerfetzt, und rücksichtslos das Leben seiner Mitmenschen zertrümmert, gehört vielleicht einmal wieder die angestaubte Guillotine vom versailler Dachspeicher geholt.

In den vergangenen Wochen hat die französische Polizei vielleicht mehr Menschen zu Krüppeln geschossen als der islamistische Terrorismus in ganz Europa jemals ermordet hat. Chapeu dafür!

Solange das Erdöl erlaubt bleibt und billig, bleibt es am Bodensatz der Gesellschaft zumindest noch kuschlig und warm. Ich rate der Bundesregierung jedoch, nicht einen Gedanken über derlei unbedeutende Detailfragen zu verschwenden. Denn sollte sich die Situation hier unten eines Tages doch einmal verschlechtern, so ließen sich viele sicherlich leicht dazu überreden, die fossilen Energieträger zugunsten der erneuerbaren Technologie des Schießpulvers aufzugeben.

Die Industrialisierung, angetreten mit dem Versprechen das Leben der Menschen grundlegend zu verbessern, hat diese letztlich nur unter das Diktat der Uhren und Maschinen gezwungen. Die Digitalisierung wiederum, angetreten mit dem Versprechen das Leben der Menschen grundlegend zu verbessern, wird diese letztlich nur unter das Diktat der Computer und Algorithmen zwingen.

Wenn Goethe der Meinung war, die beste Bildung fände ein gescheiter Mensch auf Reisen, dann meinte er damit schon die gescheiten Menschen.

Demographisch betrachtet braucht kein Europäer jemals mehr die Rückkehr der großen Kriege fürchten. Für einen zünftigen Krieg nämlich braucht es junge Männer, und keine alten Opas.

Gottlob! Die nächsten großen Kriege, die werden wohl hinten, weit, fern der Türkei, irgendwo in Asien gefochten werden. Und, wenn die Völker dereinst wieder aufeinander schlagen, mit etwas Glück, so steht man dann am Fenster, trinkt sein Gläschen aus und sieht zum Smartphone hinab, wo sie im Livestream an den Fronten streiten; dann kehrt man abends froh nach Haus, und segnet Fried und Friedenszeiten.

Hochwohlgeborene Klimaschützer, die weder eine Ahnung von Klima, noch irgendeine Ahnung von Technologie haben, sind die wohl schlimmsten Reaktionäre, die man je hat erdulden müssen.

Jedem, der sich gerne und gehörig gruseln möchte, dem rate ich, sich beim nächsten Spaziergang durch eine Fußgängerzone doch einfach einmal vorzustellen, wer wohl, von den vorbeischlendernden Passanten, erstens, zu einem sadistischen Folterknecht, zweitens, zu einem gewissenlosen Mörder und, drittens, zu einem feigen Mitläufer, je im Dienste eines Vierten Reichs, taugen würde.

Wenn von den sprichwörtlichen Reichen und Schönen die Rede ist, dann bedeutet das nicht, dass die Reichen besonders schön anzusehen wären, sondern vielmehr nur, dass die Reichen sich die Schönen leisten können.

Wer einem äußerlich schönen Menschen wirklich helfen will, der sollte es ihm besonders schwer machen. Wann sonst wird einem solchen die Gelegenheit auf echte Charakterbildung gewährt?

Wer nichts Interessantes an sich vorzuweisen hat, dem verbleibt bloß noch das Mittel der Selbstdarstellung.

Die Emanzipation der Frau reicht in den meisten Fällen exakt so weit, wie der Mann hoch ist.

Der Feminismus begeht den historischen Fehler, nicht etwa die alten Strukturen aufzubrechen und mit etwas gesellschaftlich Neuartigem aufzufüllen, sondern bloß die Frauen zu den neuen Männern machen zu wollen.

Man mag mir Chauvinismus vorwerfen, aber möglicherweise wurde das Patriarchat einst nur deshalb erfunden, weil es der Frau oft unmöglich ist aufrichtig und treu zu lieben, das heißt ganz ohne den Anspruch an den Besitz oder Status eines Mannes; und kein solcher lebt gerne in der beständigen Furcht, seine Frau jederzeit an den nächst besseren verlieren zu können, besonders dann nicht, wenn er sie aufrichtig und treu liebt.

Frauen sollten nicht so dumm sein wie die Männer werden zu wollen, denn an Männern gibt es im allgemeinen auch rein gar nichts, das erstrebenswert wäre.

Chancengleichheit bedeutet zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, oder aber jemanden zu kennen, der jemanden kennt – und trotzdem leer auszugehen.

Man sollte sich stets im Bewusstsein halten, dass die meisten derjenigen, die heute für eine klimaneutrale Zukunft auf die Straße gehen, Physik als Schulfach in eben dieser abgewählt haben werden.

Was vielen Menschen unserer Zeit fehlt, ist ein sozialer Fixpunkt, und ein offenes Ohr, aber oft auch einfach nur ein guter persönlicher Ratschlag, wie er früher etwa durch die moralischen Würdenträger des Klerus in den Gemeinden gegeben wurde.

Wer in der Abgeschiedenheit der deutschen Provinz aufwuchs, der muss an der Beliebigkeit und Flüchtigkeit des modernen Lebens verzweifeln; und ahnt noch ganz unverfänglich, was es mit der in den alten Liedern besungenen, deutschen Treue einmal auf sich gehabt haben mag.

Wenn es noch einen letzten Versuch geben sollte, Gott in der Welt zu lokalisieren, so wird man ihn wohl als ein schwaches, elektrisches Signal, irgendwo in einem kleinen Subareal des menschlichen Gehirns vorfinden; aber, dort waltet er machtvoll, und mit all dem, was die Theologie seiner Religion ihm bereit ist zuzugestehen.

Der Mensch befindet sich von fast 3000 Jahren abendländischer Geistesgeschichte in die Moderne katapultiert, doch ersucht er um Rat für sein Leben, so vertraut er sich lieber irgendwelchen uralten Mystizismen an.

Wenn das Insta-Bild mehr zählt als das Erlebnis, so heißt es: Willkommen im Urlaub.

Nur im Rückblick der Geschichte kann aus einem Menschen der Übermensch hervorgehen; und für gewöhnlich nennt man diesen dann eine große Persönlichkeit, einen Vorreiter und Visionär, oder aber schlicht und einfach einen Helden.

Für die Arbeiterklasse gestaltet sich die allgemeine Lage in Deutschland derart, dass, gäbe es nicht bereits ein demokratisch gewähltes Parlament, und, wäre es nicht verboten, sie dieser Tage durchaus noch einmal auf die Idee kommen könnte, die Revolution auszurufen.

Im Grunde ist es nicht nachvollziehbar, weshalb in dieser Gesellschaft ein so großer rechter Rand existiert, der das alte Deutschland zurück möchte, denn sozial betrachtet befindet sich dieses wunderschöne Land, in dem man gut und gerne lebt, doch schon längst wieder irgendwo in der vorbismarckschen Zeit der Stände und Klassen.

Martin Sonneborn, der letzte der deutschen Politiker, hat wohl recht, wenn er in seiner vom Europaparlament zensierten Videobotschaft zur unsäglichen Hufeisentheorie sagt, die eigentlichen Extremisten säßen in der Mitte unserer Gesellschaft.

Egal wie viel man dem kleinen Mann auch nimmt, seinen Hass auf die Obrigkeit wird man ihm niemals nehmen können. Und, wahrlich, manch einem wurde gar schon so viel genommen, dass ihm nichts anderes mehr zum Leben übrig blieb.

Im Zeitalter der Digitalästhetik und filterhübschen Frauen sollte man immer auf eine Analogfotografie bestehen.

Im Dating schaffen Frauen das im Politischen undenkbare der Querfront. Denn bei der Abstimmung zur Partnerwahl werden aus eigentlich weltoffenen, liberalen und linksorientierten Geistern die wohl schlimmsten Faschisten und Verfechter der Ungleichheit, die man als Mann je zu Gesicht bekommen wird.

Die meisten Menschen wollen vom Prinzip des Leben und Leben lassens nichts wissen, weil sie dann vor sich selbst eingestehen müssten, als wie unerträglich sie ihr eigenes empfinden.

Das Rückgrat der Konterrevolution war und ist der Stolz des kleinen Mannes. Nicht zu verwechseln mit der sinnbefreiten Aussage, der Stolz des kleinen Mannes wäre das Rückgrat der Konterrevolution.

Der Krieg gilt nur solange als etwas Undenkbares, als dass es noch Menschen gibt, die sich an ihn erinnern können. Das gleiche gilt für Seuchen.

Demjenigen, der nicht viel mehr als ein sarkastisches Lachen sein eigen nennt, welches ihm beim Gedanken an das Coronavirus im gereizten Halse stecken bleibt, dem rate ich dieser Tage einen schadenfrohen Blick an die Börse.

In nichts sonst auf der Welt steckt mehr Wahrheit als in der Zensur.

Der Atheismus ist die Religion der Materialisten. Der Technokraten, wie auch der Formalisten. Er ist die Religion der Lieblosen und der Gefühllosen. Und so auch der Unzufriedenen und der Depressiven. Ihnen allen kann das schiere Sein dieser Welt keinerlei religiöse Ehrfurcht einhauchen. Und damit haben sie nie wirklich gelebt; vor allem aber haben sie das Leben nicht verstanden.