• Monatliche Archive: Juli 2019

Inschrift einer Plakette am Schwabinger Bach, nähe Werner-Heisenberg-Institut

Die größten Tölpel der Wissenschaft,
Die bloß noch geistlosen Schwachsinn verfasst,
Die bloß noch dem Drittmittelkapital
Nachjagt und international
Recruited den Nachplapperapparat,
Der bloß noch am eigenen Stumpfsinn sich labt,
Der sich da selbst schimpfet hochexzellent,
In dem bloß die Selbstsucht noch lodernd brennt,
Die quacken in München, am Englischen Garten:
– Max Planck Max Planck Max Planck –
Den haben sie lang schon verraten!

An Rhea

Am Bett, vor den blanken Wänden,
Da hab ich zwei Bilder stehn
Und ja, ganz ehrlich, nur selten
Mich selbst so glücklich gesehn.

Da liegen, im steilen Winkel
Von oben fotografiert,
Auf einer Matratze am Boden
Zwei junge Menschen liiert,

Und wenn ich die beiden so sehe,
Spür ich, ach, wieder ganz nah
Den Nachklang der lieblichen Küsse,
Und Worte, so rein und so klar:

– Das ist ein schreckliches Foto!
Da werd ich wie fünfzehn aussehn! –
Und mir das auch noch gefiele,
Natürlich: Und wunderschön,

Das warst du, mein persisches Schmuckstück!
Doch, sei dir sicher, auch nur,
Weil du ja schon doppelt zähltest
Die Tage auf deiner Uhr.

Wie viele der Hundeleben
Sag, wirst du noch kommen sehn?
Wie viel deiner Soffbahnenmeter
Als Kleid wird im Wind noch verwehn?

Wie oft, sag, werden wir beide
Noch lieben? Wer weiß, ich weiß bloß
Ein Teil von dir ist geblieben
In mir, und der ist groß.

Aus der neuen Verkehrsordnung des freien Finanzprotektorats Frankfurt am Main §7 Abs. 3b

Neuerdings kurven die Weltenlenker,
Frankfurts Helden und Großmachtsbanker
In Hemd, Schlips, kurz: In Rennmontur
Durch die idyllische Großstadtflur.

Und wie sie flitzen.
Ohne zu schwitzen.
Doch das taten sie nie.

Und was sie, diese müden Leiber
Einst zu Fuße schafften, und ja, gemeint sind auch die Weiber,
Das düsen sie nun elektrisch herum
Zwischen Bankenviertel, ihren Villen und dem Stadtzentrum.

Und wie sie flitzen.
Ohne zu zu schwitzen.
Doch das taten sie ja nie.

Neben dem alten Verbrennungsmotorgeboller
Wird die Radspur rechts nun immer voller.

All diese Elektrotretmietroller!

Und schon bald wird man hören die ersten Stimmen
Aus den Doppelkinnbankerkehlen dringen:
– Das Gesindel auf der Straße, links das, vom Land,
Das sei aus der City bald schon verbannt. –

Aber, sie sollen sich bloß hüten.
Die Frankfurter Straßen,
Das Pflaster, der Teer, und der Asphalt
Und auch der Beton, eigentlich alles:
Jaja, das ist Bruch und Dalles.
Der Ramsch ist uralt
Über alle Maßen,
Da können sie gerne wüten

Und flitzen mit ihren Rollern,
Und von mir aus auch bollern.

Nun aber, leise, noch unter uns gesprochen:

Käme es nicht der Satisfaktion zuliebe
Ein flitzendes Bankerlein, das bliebe
An einem verfallenen Bordstein stecken
Geriete in die Fahrbahnranddornenhecken?

Wäre das nicht jammerschade und schlimm?
Na sicher!
Doch für uns, das Gesindel, ein Aktiengewinn.

Der Nussknacker

Wir sitzen allein in der Küche
Am Tisch im Dampfwolkenlicht,
Wo aus dem Plastikkocher
Das Leitungswasser zischt.

Und drum herum liegen die Plätzchen
Und lockender Marzipan
Und deine Hand in der meinen
So klein und zart und, so warm.

Und irgendwo stehen die Rosen,
Die roten, dreißig der Zahl,
In einem welken Putzeimer
Im Flur, so öde und kahl.

Und drüben am Fenster ein weißer
Nussknacker in Uniform
Und in seiner starren Fratze
Der alte russische Zorn.

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