Manchmal, des nachts, wenn der Schlaf sich wieder einmal eine genüßliche Auszeit gönnt und mich an das kleine Fenster in meinem Zimmer treibt von wo ich den Mond, die Sternlein und gewiss meinen einen Stern still beobachten kann, da stelle ich mir zuweilen vor, wie er wohl hereinkäme, dieser alte schlaftrunkene Mann, mit der kalkweißen Nachthaube auf seinem unförmigen Schädel und dem ebenso weiß gewaschenem, über seinen kreidebleichen Körper geworfenem Nachtkleidchen. Halb gebückt vor Müdigkeit schlurft er dann mit seinen filzigen Pantoffeln über das zerkratzte Parkett auf mich zu und in diesem nächtlichen Getöse, da meine ich leise, ganz leise, ein zutiefst melancholisches Seufzen zu vernehmen. Dieses Gestöhne aber, es dringt schließlich dermaßen herzzerreißend zu mir vor, dass ich mir stets und insgeheim denken muss: In einem solchen besonders tiefschöpfenden Ausdruck der Hoffnungslosigkeit, in diesen, wohl tief auf der Seele brennenden Qualen, ja ja, in diesen müssen jenem armen Tropf all die Schmerzen dieser Welt begründet liegen. Und schau an, noch eh ich dies auch bloß zu denken wage, steigert sich sein hoffnungsentleertes Seufzen in ein ebensolches, doch nun mehr von voluminöser Stärke durchdrungenes Gebrabbel und wie in eine Raserei verfallen fängt dieser einstmals ruhige Nachtwandler an wild und hektisch zu gestikulieren. Diese ungestümen Bewegungen aber, alsbald schon gehen sie über in ein nur mehr unkoordiniertes fuchteln, und das bloß um schließlich laute und unverständliche, fast schon animalische Laute auszuschreien. Und er brüllt sie aus dem offenem Fenster, dicht vorbei an meinen schmerzenden Ohren, vorüber an den hohen Eichen, heraus in die Nacht, hoch in den Himmel, noch wohl hin bis zu meinen Stern; aber von dort draußen wiederum klirren sie klar und rein zurück an mein Fenster: Was bloß ist es? Ich armer, armer alter Mann, ich frage es mich nun schon so lange! Was bloß heißt es deutsch zu sein? Und bedächtig stumm mit dem Kopf nickend stimme ich ihm zu: Fraglos, welch Weltschmerz!

In seiner linken Hand, so glaube ich, in ihr hält er dabei eine Kerze, und diese altehrwürdige Flamme, die ihm doch nur flackernd leuchten wollte den Weg zu seiner ihm heimeligen Schlafstätte, sie muss bei diesem hochnotpeinlichen Tobsuchtanfall wohl in einer Wolke rußigen Dampfs erloschen sein. In der anderen aber, der rechten Hand, da flimmert ihm ein völlig anderes Licht. Dieses grelle, bläuliche Licht jedoch, dass ihm, diesem alten Narren, den Schlaf raubt, ist ganz anderer Natur als das eben noch sanfte und beständige Flackern seiner ihm heiligen Kerze. Dieses viel modernere Licht, es will ihm nicht bloß leuchten den Weg, nein, in diesem wollen sich spiegeln in rotem, grünem und blauem Reigen die Geschehnisse der Welt; oder, um es mit seinen wohlweisen Worten auszudrücken: Das Siechtum der Nation, das Elend Europas, der Untergang des Abendlandes; ja gar das endgültige Ende unseres geliebten Erdenrunds. Und wenn er dann so vor mir steht, mich mit seinen vor Müdigkeit unterlaufenen, aber stets treuen und gewissenhaften Augen anblinzelnd, so denke ich mir: Du alter Mann du, willst du nicht besser bleiben bei deiner Zeitung aus Papier? Denn glaube mir, es sind nicht deine Geschichten, von denen du dort liest, des nachts in deinem warmen Bett. Nein, vertraue mir, sie sind es nicht und sie werden es auch niemals sein. Es sind die Bilder einer anderen Zeit und jene ist gewiss nicht die, welcher dein verlorenes Gesicht entsprang. Und immer schaut er mich dabei an, so geheimnisvoll grinsend und weil er es besser weiß, spricht er schließlich in gutem deutschen Ton: Doch sie sind es! Und, ins Grübeln versunken, frage ich mich dann heimlich: Sind sie es wirklich?

Die Bildung der Nationen aus lose zusammenhängenden Ländereien und deren Völkern zeigt in den allerwenigsten Fällen einen linearen Verlauf, ganz im Gegenteil, es handelt sich vielmehr um ein beständiges auf und ab, ein endloses vor und zurück der kulturellen und identitätsstiftenden Ereignisse. Sie ist die Summe eines Sammelsuriums verschlungener und kurviger Pfade, und ein jeder von ihnen ist zusammengesetzt aus weiteren weitaus verschlungeneren und kurvigeren Pfaden, und so weiter. Aber sie alle liegen tief verankert in den wechselnden Wogen und Geschicken der Epochen. Wer heute noch als Idol und Held von den einen gefeiert wird, gilt für manch anderen schon morgen wieder als ein Inbegriff der Schande und des Verrats. Es mag gar wirken wie ein ewiges Kommen und Gehen: Die einen treten auf, sie klopfen an die Tür und sprechen stolz und frei heraus: Guten Tag; und die anderen, die weniger Glücklichen, sie reichen diesen noch schnell ihre Hand und treten aus der selbigen Türe betreten hinaus, jedoch nur mehr mit einem wehleidigen und jammernd dahingenuschelten Adieu auf den Lippen. Die Frage nach der deutschen Nation aber, die deutsche Frage, diese ist ganz, und ich betone es bewusst, sie ist ganz und gar einer anderen Natur. Während gewöhnliche und damit nur mittelmäßige Nationen, sagen wir, etwa, jene der Franzosen, ihr nationales Einfaltstum ein für alle mal und unwiderruflich stiften konnten, so ist derjenige Pfad der Deutschen ein prinzipiell anderer. Diese genuine Anderarsartigkeit aber, sie lässt sich nun ganz wunderbar veranschaulichen, und steht sie schließlich, mit all ihren bis in die Unkenntlichkeit entstellten Auswüchsen da, so wie die in den grünspanigen Archiven vor sich hin modernden Plastiken der alten Meister, dann lässt sie sich auch ganz genauso wunderbar museal, in all ihren guten wie schlechten Aspekten und voll allen Seiten, von links und rechts, oben wie unten, ehrfurchtsvoll bestaunen. Bei einer solchen Schau des nationalen Skulpturismus schließlich, einer wahren Weltausstellung chauvinistischer Vorurteile und Eitelkeiten, muss einem Connaisseur der schönen Künste, einem solchen also, wie du einer bist, hochverehrter Leser, noch der feinste handwerkliche Makel besonders scharf ins Auge springen. Drum soll diese Beschauung nun ausgeführt werden.

Ich beginne dabei, zunächst in schlichter Art der Abstraktion, mit der französischen Nationalfrage, um dann, in der intellektuellen gedankenschwere meiner Argumentation fortschreitend, den Kontrast zur deutschen Frage unmissverständlich herauszuarbeiten. Die erstgenannte also, der eigentliche Ursprung des vive la france, welches vereint die Prinzipien der liberté, der égalité sowie der fraternité, sie, um im eben gezeichneten Bild zu verweilen, beschreibt ein Sammelsurium aus Pfaden, das eindeutig und unmissverständlich zurückzuverfolgen ist, sowohl in den chronologischen Ereignissen, als auch den semantischen Begrifflichkeiten, ein recht kausaler Gesamtpfad eben, mit einem ordentlichen Anfang und einem ebensolchen Ende; und das Ende dieses Pfades, die Revolution mit all ihren Folgen, stiftete schließlich die Nation. Dabei ist es gar nicht nötig die konkreten Ereignisse, so verworren sie nun auch sein mögen und welche der Menschheit, nebenbei bemerkt, die großartigsten Errungenschaften bescherten, so etwa die moderne Staatsverfassung, das metrische System sowie das kantenfreie Guillotinieren, explizit nennen zu müssen. Drum soll hier auch nicht weiter darauf eingegangen werden. Darüberhinaus, und, ohne eine Empfehlung aussprechen zu wollen oder gar weiter über solches nachgedacht zu haben, so behaupte ich hier außerdem, dass von all den begabten Chronisten unserer und vorheriger Zeiten zur genannten Sache gewiss das ein oder andere, mehr oder weniger wertvolle Stück Literatur verfasst wurde. Für einen jeden also, vom luftigsten Liberalen bis zum biedersten Reaktionär, sollte, irgendwo, in einem der virtuellen Regale des digitalen Alexandrias unserer Neuzeit, eine ideologisch genehme Berichterstattung der historischen Ereignisse unmittelbar und frei zugänglich vorliegen.

Nun aber, die Deutschen, so sage ich, nein, die nationale Idee dieses Volkes bewegt sich nicht einfach bloß auf einem solch simplen Pfad aus Pfaden, wie die unserer simplet nation es tat und wohl auch immer noch tut. O nein, dieses gewiefte Völkchen hat sich ganz anderer geisteswissenschaftlicher Errungenschaften bemächtigt um sich vor einer Beantwortung dieser Deutschesten aller Fragen ein und für alle mal und gänzlich herumzudrücken: Nämlich jenen der Geometrie. Der Durchmesserdeutsche wird jetzt vorschnell einwerfen wollen: Aber ja, die deutsche Frage, natürlich, im Kreise dreht sie sich, im Kreise! In den tiefschöpfenden Kolumnen der Zeitungen, den televisionären Diskussionen, den aufklärerisch gelabten und gleichsam göttlich durchtränkten Kommentaren im Netz, immerfort nur im Kreise, wie die lustigen Karussells auf dem Rummel, ohne Anfang und ohne Ende, fort und immerfort; so wie es sich mir im Kopfe dreht, immer zu, wenn ich denke, immer zu und fort und fort und fort… und, nur zur Sicherheit, wende ich sogleich ein: Nein, das tut sie eben nicht, sie dreht sich nicht einfach nur immerfort im Kreise wie die lustigen Karussells auf dem Rummel es tun, gleich neben den Schießständen, mit ihren vielen Narrengesichtern tierischer wie menschlicher Natur; sie endet auch nicht einfach nur an jenem Orte und in jenem Zustand, von welchen sie dereinst ausging. Nein, genau das tut sie eben nicht, sie beschreibt keinen klassischen Zirkelschluss, egal wie komplex und vielschichtig dieser auch sein mag. Und, zugegeben, der konzeptionelle Unterschied, welchen ich nun, konträr zu diesem kreiselnden und krieselnden Deutschtum, entwerfen will, mag er auf den ersten Blick auch nur mehr marginal erscheinen, so ist er doch unerläßlich für das Verständnis meiner abschließenden Conclusio. Daher sage ich nun, der deutsche Pfad, mag er zwar niemals beschränkt sein auf diesen und jenen speziellen Aspekt, er bewegt sich doch immer in einem geschlossenen Argumentationsrahmen und bleibt damit, wenn man so will, auf ewig in seiner ihm ganz eigenen topologischen Gefangenschaft, ganz ähnlich sogar, wie in unserem Kreisbeispiel. Aber, in dieser speziellen Gefangenschaft, die ich ihm hier andichte, in ihr drinnen, da ist er, ganz im Gegenteil zur kreisdeutschen Vorstellung, völlig frei, frei und unbeschränkt.; und zwar in alle gedanklichen Himmelsrichtungen. Und um dir die Vorstellung dieser etwas abstrakt wirkenden, geometrischen Tatsache ein wenig zu erleichtern, lieber Leser, so möchte ich raten dir an dieser Stelle vorzustellen, sie, also die deutsche Frage und alles was bildlich, schriftlich und damit sprachlich mit ihr in Verbindung steht, bewege sich auf einer Sphäre, welche die Oberfläche einer Kugel beschreibt, eine Art Gedankenblase also; oder, um das deutsche Wesen besser zu erfassen: Eine Traumblase.

Egal wie verworren ihr Pfad nun auch sein mag, irgendwann einmal, wenn nur Zeit genug verstrichen ist, das heißt also, wenn die guten Taten in Vergessenheit geraten, die schlimmen Verbrechen verjährt und die großen Schriftwerke zu Staub zerfallen sind, dann schließlich wird ein jeder Pfad wieder seinen Ausgangspunkt erreicht haben. Nähern wir uns jenem Ort, so taucht am Horizont, zunächst verheißungsvoll, ein hohes, hözernes Schild auf, und in der Tat: Im gesenkten Hitzeflimmern, dürstend einer Antwort, mag es gar wirken wie der lang ersehnte Wegweiser, der uns da endlich verheißt die ersehnte Erlösung. Weitere Annäherung aber trübt den Blick und bald schon geht die liebe Hoffnung über in die niederschlagendste Gewissheit, und die jungen Bretter, die wir aus der Ferne meinen erspäht zu haben, ja ja, diese gehen über in alte Planken und in großen altdeutschen Lettern wird dort schließlich auf einem morschen Schild geschrieben stehen: Was ist des Deutschen Vaterland? Und jeder Pfad, den wir einschlagen könnten um zu einer abschließenden Antwort zu gelangen, wurde bereits beschritten und führt nur wieder zurück an eben jenen genannten Ort, und um dir schließlich jeden Mut zu rauben, lieber Leser, so will ich es endlich verneinen: Nein, dieser Pfad, er existiert nicht einmal, er kann es schlicht nicht! Nicht einmal diejenigen, welche die deutsche Frage als überwunden betrachten, jene also, welche auf den antipodalen Seiten der deutschen Blase leben, können ihrer Allgegenwärtigkeit entrinnen; jeder Weg führt schließlich nur wieder zurück zum Beginn. Und wenn diese kopfständischen Antipodendeutschen dann die schwarzen Gesellen, wie sie dort am Anfang im nächtlichen Hinterhalt lauernd liegen, fragen, werden jene aus stolzer Brust heraus antworten: Wir hier sind deutsch und jene dort sind fränkisch!

Aber, betrachten wir diese Gesellen einmal in Ruhe aus nächster Nähe, so werden wir endlich auch feststellen, wer uns da, am ideengeschichtlichen Urknall der Nation, mit so stolz geschwellter Brust eigentlich entgegentritt. In der kleinen Kompanie, die sich dann vor uns aufbaut, vermuten wir ehrfurchtsvoll und nicht zuletzt angeführt vom großen Blücher höchstselbst, Männer wie Arndt, Schenkendorff und Körner, sowie all die anderen Freiheitsverdichter der Nation. Und wenn ich so darüber nachdenke, freilich, dann kann ich sie, in ihrem provisorischen Feldlager hockend, fast vor mir sehen, diese Romantiker; wie sie frenetisch ihre Federhalter polieren und dabei todesmutig, mit blutgierig lechzenden Mündern, die wagetollsten Verse rezitieren, mehr als bereit, ihren Feinden, den bösen fränkischen Schergen, schon den nächsten literarischen Hinterhalt zu legen. Ja, schwarz waren sie, diese Gesellen; schwarz von der Tinte, mit der sie schrieben. Vielmehr jedoch, ganz entgegen dieser naheliegenden Vermutung und, wie ich meine, fast schon ein wenig enttäuschend, finden wir dort nur mehr versammelt einen wirren Haufen noch viel wirrerer Leute und reichen wir diesen, einem nach dem anderen, dabei höflich beginnend mit dem Ältesten unter ihnen, demütig die Hand, so wird uns von diesem letzten ein eher unerwarteter Name entgegengeworfen werden; doch es ist ein großer Name, und er lautet: Immanuel Kant. Fragen wir dann verdutzt weiter, so hören wir von den anwesenden Männern weitere Namen, Namen wie Schopenhauer, Schelling, Fichte und Hegel. Doch! Welch Weh! Noch ehe wir sie darum bitten könnten, sich zu erklären, da bricht auch schon ein ohrenbetäubendes Gedonner zu uns und unseren Freiheitshelden herein. Erbarmung! Raunt der alte Kant neben mir auf: Sind denn die Republikaner schon so nahe…? Und da donnert auch schon der zweite Schlag zu uns herein; und, siehe da, unsere schöne deutsche Traumblase, mitsamt all unseren neu gewonnen Freunden, sie zerplatzt schließlich in tausend kleine Tropfen, die langsam nach oben fallen. Und, zusammen mit einem jeden dieser zukunftsweisenden Intellektuellen selbst in tausend kleine schwarze, weiße und rote Tröpchen zerfliessend, dabei meine ich, aus den Augenwinkeln heraus, noch zu erkennen wie eine kokardierte Marianne aus einer goldenen Schale angefüllt mit grell brennender Seifenlauge, Arm in Arm mit einer nadelbewehrten Germania, eine Blase nach der anderen bläst und wieder zersticht.

Ich aber finde mich daraufhin nur an meinem kleinen Fenster wieder, wo ich langsam aufwache aus diesem deutschen Albtraum. Und auf einmal ist es still, herrlich still, so ganz alleine. Der alte Nachtwandler, er ist verschwunden und nur mehr der Wind draußen rauscht noch durch die hohen Eichen und oben, weit im Osten, da leuchtet, wie immer und gleichmäßig, mein Stern für mich am dunklen Nachthimmel. Doch, und, lieber Leser, fragen wir uns das nicht gemeinsam: Was war es, das dieser seltsame Traum uns riet? Nun, so denke ich, der deutsche Nationalgedanke, er ist wohl unzertrennlich verbunden mit der Philosophie in Deutschland, welche, historisch etwa zeitgleich und endlich von der Religion emanzipierend, in voller Blüte sowie im ganzen Land üppig gedieh. Ich behaupte sogar: Ja, sie selbst ist eine solche Frage, sie ist, ideell, und in all ihren Aspekten, vollends von jener durchdrungen und dieses deutsche Dasein, ihre Ontologie, sie bildet das diskursive Schlachtfeld. Auf diesem wiederum, da wehen die Fahnen, schmettern die Verse, und aus den freien Kehlen unserer schwarzen Freunde erklingt das verzweifelte Kriegsgeschrei; hier versammeln sich schließlich all die Symbole des deutschen Freiheitskampfes, oder kurz: All das nationale Brimborium. Und ist dieses, ich will es schlicht die Phänomenologie des Deutschen nennen, dann erst einmal in der Welt, so wird um die Deutungshoheit, also um das, was gemeinhin als gut deutsch gilt, erbittert und unnachgiebig gerungen; freilich ohne auch nur eine Antwort zu finden; wie es sich einer großen und wichtigen, eben einer guten philosophischen Frage, auch nur im Grundsatze geziemt. So also sitzt das deutsche Völkchen, eine Schar aus Amateurphilosophen und solchen, welche es nur allzu gerne wären, wie eh und je zusammen, zusammen bei gut gehopftem Bier und lieblichem Wein und es wird unbekümmert drauf los philosophiert. Thema: Deutsch sein als Wille und Vorstellung. Fantastisch, denn ja, sie haben tatsächlich recht behalten, unsere schwarzen Freunde: Alles Große kommt uns wieder, alles Schöne kehrt zurück! Und es wird diskutiert, ein wenig argumentiert, mehr noch gestritten, viel intrigiert, doch vor allem gehetzt, und zwar so sehr, dass sich sprichwörtlich die Balken biegen. Aber, wir können doch beruhigt sein, denn zu einer guten deutschen Antwort, zu einer solchen kam noch keiner. Und das wird auch keiner, kein Deutscher wird je imstande sein dieses gedankenakrobatische Kunstunstück zu vollbringen, und doch nennt sich ein jeder, der es versucht, ein Deutscher, sei es nun aus nationaler Sehnsucht heraus, oder aber dergleichen Verachtung. Was also antworte ich meinem schlaflosen Nachtwandler, sollte er mich wieder einmal unverhofft im Traume besuchen wollen? Was also ist deutsch? Nun, vielleicht ist die Frage darauf Antwort genug. Und, sollte ihm, diesem närrischen Sturrkopf, das nicht genügen, so sei ihm nur mehr eines angetragen: Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen, und, wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Ich also schweige.