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Rosenzauber

Eine Rose, die soll bleiben
Hier bei dir, und mir zuhaus.
Und so zog ich eine Rose
Aus dem roten Rosenstrauß.

Eine rote Zauberrose
Aus dem roten Rosenchor
Und verzückt die Wangen haltend
Brachtest du kein Wort hervor.

Fielst du stumm in meine Arme
Und die Lippen, rosenrot,
Konnten kaum ihr Glück mehr halten;
Kuss um Kuss zum Kussverbot:

– Halt, genug, ich bin bezaubert,
Und du bist der Zauberer. –
Ach, wenn ich nur zaubern könnte
Und ein Zauberer bloß wär…

Dann, ja dann, stünd diese Rose
Immerrrot und niemals welk,
Ganz so, wie der Traum nach Liebe
Mir das Herz zusammenhält,

Und, ja dann, stünd dort am Himmel
Tief im Osten, weit und fern
Liebevoll und rosenfunkelnd,
Sehnsuchtsnah mein einer Stern,

Und es stünden doch wir beide
Hier nicht nachts am Straßenrand;
Und ich hielt nicht abschiedsängstlich,
Morgenfürchtig deine Hand.

Die Christbaumkugel

Kekse, Plätzchen, Schokolade,
Lebkuchen und Marzipan,
Voll die Arme, klein die Hände
Und ein Lächeln, sanft und warm

Funkeln aus der Christbaumkugel,
Rot beschichtet, gold bestickt,
Mir entgegen, und behutsam
Greifst du nach dem Sehnsuchtsstück.

Ziehst du von metallnem Aste
Eine Kugel, zwei, und mehr:
– Welche von den vielen Kugeln,
Ach, denn nun die Schönste wär? –

Nimm die Feueropalrote,
Die mit goldnem Weihnachtsstern.
Strahlen soll er, hoch vom Baume
Funkeln, und das gut und gern!

– Ja, die funkelnd Feuerrote,
Die mit Stern, die soll es sein. –
Sei behutsam! Sprüht erregend
Sie denn in mein Herz hinein

Hohe Flammen, und die Liebe.
Liebe sprüht sie in mein Herz.
Die schlägt hell in dunkle Räume
Zu den Sternen himmelwärts,

Und wenn du am Weihnachtsabend
Lächelnd stehst in dunklem Raum,
Dann schau hoch, aus dieser Kugel
Strahlend dir vom Tannenbaum!

Im Zoo

Wir saßen so traulich beisammen
Im Pavillon am Teich.
Wir schwiegen so zweisam alleine
Hinab ins Wasser, zugleich

Da reichtest du Kekse und Cola.
Für mich hattest du sie dabei!
Wir aßen und tranken und träumten
Von morgen, zusammen und frei.

Gedachten der einsamen Heimat
Fern lag sie, getrennt und entzwei;
Doch was, wenn es unweit gäbe
Die Eine? Für uns. Nebenbei

Sprachst du, wir hätten gemeinsam
So viel. Ja, das hatten wir.
Ich spürte die Sehnsucht brennen
Und ahnte ihr Glimmen in dir.

Und kühn und verwegen legte
Ich bang meinen Arm um dich,
Auf grasgrüngefärbte Bluse:
Mein Stern, gefällt es dir nicht?

Was senkst du den Blick hernieder?
Schau, du, und ich, das sind wir
Und wären wir auch nur für heute,
So stünde ich ewig zu dir.

Und gleich, da gehen wir trinken
Im Starbucks noch einen Kaffee.
Du sprachst: – Es kommt ein Regio,
Ich geh nach Haus, Ade. –

Der Russlandfeldzug

Ein viertel aus Nassau,
Zwei viertel Sudet
Und eines aus Schlesien,
Für dich bloß Poet.

Im ganzen ein Deutscher
Recht pünktlich, korrekt,
Voll Ordnung, sag, weißt du,
Was sonst noch, verdeckt

Und tief in mir brodelt?
Ein deutsches Gebot:
Die Treue und Liebe
Bis hin in den Tod.

Drum bin ich am rüsten,
Ist ferner ein Brauch
Der altdeutschen Seele,
Die muss letztlich auch

Hinein in den Osten
Marschieren sowohl,
Als kühn auch erobern
In Stawropol

Dein Herz. Gänzlich jenseits
Von Böse und Gut,
Sich retten, mein Stern, dich,
Das Beutegut!

Der Plan

Dunkelnden Dezemberdämmerns,
– Guten Abend. – Las ich recht?
Ob ich Lust auf Schokolade
Habe, Schokoladenfest

Sei im Schwarzwald dieser Tage,
Tübingen, ich sandt dir zu:
Oh, mein Stern, ja alles das, was
Süß ist mag ich. Sag, und du? ))

– Ja ), ich liebe Süßigkeiten
Auch ))) und dann jetzt haben wir
Plan. – Mein Stern, das alles klingt ganz
Wundervoll ; ), nur, was ich dir

Sagen wollte: Das, was wirklich
Süß ist, hats nicht durchgescheint?
Neben all der Schokolade
Hab ich doch bloß dich gemeint!

Wovon die Menschen leben

Jüngst habe ich etwas gelesen
Von Tolstoi, ein kurzes Stück
Von einem Schustermeister
Und seinem Weg in das Glück.

Vom Geist tief in unseren Herzen;
Das, was in uns Menschen ruht
Und auch, was uns Menschen im Leben
Versagt bleibt, doch voller Mut

Saß ich heute abend im Sessel,
Mein Stern, du weißt wo es war
Und immer noch sah ich dich vor mir,
So müde, bloß endlich gewahr

Der Liebe, trotz all dieser Sorgen
Bedrückend im Herzen und schwer,
Die ich dir noch immer gebe,

Mein Stern,
Wovon ich lebe.

Der Nussknacker

Wir sitzen allein in der Küche
Am Tisch im Dampfwolkenlicht,
Wo aus dem Plastikkocher
Das Leitungswasser zischt.

Und drum herum liegen die Plätzchen
Und lockender Marzipan
Und deine Hand in der meinen
So klein und zart und, so warm.

Und irgendwo stehen die Rosen,
Die roten, dreißig der Zahl,
In einem welken Putzeimer
Im Flur, so öde und kahl.

Und drüben am Fenster ein weißer
Nussknacker in Uniform
Und in seiner starren Fratze
Der alte russische Zorn.

An Asya

Mein Stern, was schrieb ich dir sehnsuchtsvoll
Geschichten und schöne Gedichte.
Ich sprach von Saphiren, so lieblich und süß,
In deinem Engelsgesichte.

Beim Himmel! Von deiner Wange Licht,
Und von deiner Lippen Röte,
Mein Fischermädchen, auch das warst du,
Ich schrieb von Heine und Goethe.

Für dich war ich Dichter; und jedes Gedicht
Hat hell dir im Auge geschienen.
Die Tage der Welt, die vergeß ich das nicht:
Den Diamant und die Rubinen!

Und heute, ach heute, da schweige ich,
Ich schaue nach oben und schweige.
Dein funkeln, es bricht durch die Wolken das Licht
Auf welches ich immerzu zeige.

Doch keiner versteht mich, die um mich herum,
Die haben den Kram nie gelesen.
Die lachen nur herzlich, sobald ich erzähl,
Wie anmütig bist du gewesen.

Verloren, das bin ich, im Niemandsland!
Leb’ irgendwo zwischen den Welten.
Entsprungen, das bin ich, der Arbeiterschaft,
Doch fühle ich nicht mit derselben.

Mit andern hingegen, dem Großbildungstum,
Studierten, und klugen Doktoren,
Schlag ich mich herum, tagein und tagaus,
Doch die kannten nie meiner Sorgen!

Mein Herz, ja, das schlägt in der Arbeiterbrust
Mein Kopf jedoch denkt akademisch
Und oben am Himmel, da funkelt mein Stern;
Du funkelst, und funkelst mir ewig.

Pforzheim Nord

An der Raststätte
Pforzheim Nord,
War ich, es ist dort
Kein schöner Ort.

Am Parkplatz, in grauen
Beton gefasst,
Stand ich vor einem
Ruinenpalast.

Und selbst im neuen
Raststättlokal
Da schmeckte der Tee,
Kamille, mir schal.

Ja, nur der Kellner,
Von dem ich erbat
Das Wasser, mir träumte
Er sprach fremder Art.

Er sprach mit Akzent,
Wars Russisch? Vielleicht.
Ich weiß nicht. Egal.
Mein Stern. Sogleich

Rief ich: Mein Stern!
Bist du gefallen?
Und funkelnd glänzte
Sein Widerhallen:

– Ich bin es, mein Dichter,
Dein Stern, er fiel hier.
Noch bin ich die Muse
Und Sehnsucht in dir.

Noch bin ich das alles,
Dein Stern und Begehr.
Ich funkel, doch leb ich
Hier lang schon nicht mehr. –

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